Vor einigen Jahren hab ich mich (nicht erst im Studium) viel mit Philosophie beschäftigt. Deshalb habe ich soeben über einen Youtube-Umweg Erich Fromm – Hannah Arendt – Heidegger 3 Videos mit Vorträgen von Heidegger angesehen. Leider war es mir aus technischen Gründen nicht möglich, dort einen Kommentar zu hinterlassen, den ich nun hier ablegen möchte:
Es geht um die Frage nach der Zukunft des Denkens. Nach dem Sinn und dem Ziel der Philosophie, in der sich der Mensch denkerisch betätigt:
„Ich kann schon verstehen, daß einige Leute ihre Schwierigkeiten mit diesem Text haben. Ich musste, nachdem ich mich mal früher intensiver mit diesen Fragen beschäftigt habe, auch schmunzeln: wenn man dem Inhalt der Formulierungen nicht genau folgt, erscheinen diese Gedanken verrückt, senil oder überflüssig. Nur wenn man sich auf sein Denken einläßt kann man erleben, daß Heidegger etwas sucht, das dem gemeinen Denken als eine tiefere Kraft zu Grunde liegt. Diese Kraft ist wie er an anderer Stelle sagt die Kraft der Poesie, also eine schöpferische.
Heidegger sieht übrigens das Ende der Philosophie kommen, wenn sie in der Wissenschaft aufgeht. Damit bringt Heidegger Philosophie, Wissenschaft und Poesie in eine Zielgerade und arbeitet auf ein Denken hin, das zugleich poetisch und wissenschaftlich ist.“
Die Basis für das eigentümliche Heidegger’sche Denken ist die Frage nach dem Sein, von welcher er behauptet, daß sie bis dato in der abendländischen Philosophie nie gestellt worden ist und grenzt die abendländische Philosophie damit z.B. von der Philosophie Asiens ab, wo die Frage nach dem Sein teilweise eine viel zentralere Rolle spielt. Gleich ob Heidegger eine umstrittene Figur wegen seiner ignoranten Haltung als Professor im Nazionalsozialsimus war und ist (seine ehemalige Geliebte Hannah Arendt hat ihm als Jüdin(!) nach dem 2. WK zu neuer Anerkennung verholfen, weswegen man vermuten kann, daß Heideggers Arbeit zentral eine philosophisch und weniger als eine Weltanschauung betrachtet werden kann, und gleich ob seine Bücher für einen Neuzugänger der Philosophie beinahe unlesbar erscheinen: Heidegger versteht seine Arbeit darin, die Sprache als einen Zugang zu einem schöpferischen Denken zu begreifen, das in dieser Bemühung als neue menschliche Fähigkeit das Denken aus dem Schatten des Mysteriösen zu einer Wissenschaft erhebt. Den Zustand, den er damit anvisiert, ist das Sein. Er ringt mit der Sprache um das Sein.
Diese Sehnsucht, die schöpferische Kraft des Geistes zu erleuchten und zu nutzen, dieser Wunsch und diese Bemühung ist gemeinsame Grundlage vieler Menschen, Philosophen, Künstler, Therapeuten, Religionen und anderer Weltverbesserer, die deutlich spüren, daß das Denken selbst etwas ist, das wir verändern können, indem wir es begreifen. Die modernsten Ansätze in dieser Richtung finde ich in vielfältigen Methoden wieder, die viele verschiedene Namen tragen. Der prominenteste Namen scheint NLP zu sein (NeuroLinguistische Programmierung). Während jedoch Heidegger und viele andere Philosophen in der Sprache einen Ausdruck und einen Zugang zum Denken finden insofern die Sprache als Wesenhaftes begriffen wird, ist es im NLP so, daß die Sprache als Ausdruck und Werkzeug, das Denken zu verändern, nicht diesen heiligen Stand hat sondern eben nur so viel bedeutet und wert ist insofern sie dem Ausdruck oder der Veränderung nützt. Der Nutzen der Sprache als Werkzeug der Veränderung des Denkens zeigt hier einen anderen Charakter der Beschäftigung mit Sprache. Und das genau ist der Grund, warum ich mich lange gesträubt habe, mich mit NLP intensiver zu beschäftigen: ich habe einen starken Bezug zur Sprache und habe diese über die jahre immer mehr als etwas Lebendiges erlebt, in dem eine große Kraft liegt. Und damit meine ich vor allem das gesprochene, das geschriebene und das gedachte Wort, aber auch nonverbale-Sprache als formverleihende Kraft, die z.B. im Tanz und physischer Begegnung lebt. Dieses Erleben von Lebendigkeit konnte ich nie mit dem Terminus Programmierung zusammenbringen ohne Magenkrämpfe zu bekommen, denn gerade weil ich schon seit meiner frühen Jugend parallel Computer programmierte und viel Tagebuch, kleine Essays und Kurzgeschichten schrieb, gerade weil ich Computer (Rechenmaschinen) von innen kenne und weiss daß digitale Technik auf dem Prinzip des Tötens, der Negierung aufbaut, weil ich selbst in Maschinensprache programmiert habe, habe ich dieses Programmieren immer als etwas verstanden, das in seiner gnadenlosen Genauigkeit der großzügigen Weisheit der sich ausdrückenden Lebenskräfte, die auch in der Sprache wirksam sind, diametral entgegensetzt. Formulierungen wie : „Das Hirn neu formatieren“ oder „alte mentale Programme löschen“ haben mir die Haare zu Berge stehen lassen, weil ich darin eine Redukation, eine Kastration, eine Verstümmelung und hypnotische Behauptung erlebte, daß die menschliche Seele (und ihre Fähigkeit, sich sprachlich äußern und zu erleben) eine Maschine sei und lehnte dies als Übergriff des in die letzten geschützten Gefilde der menschlichen Seele hineingreifenden Materialismus ab. Dieser Materialismus behauptet die Seele mit einer Maschine* und determiniert damit die endgültige Unfreiheit des Menschen. Bestärkt in dieser Abwehr haben mich viele Erlebnisse von sprachlicher Grobheit, Oberflächlichkeit und auch Phantasielosigkeit, die ich bei Vertretern von materialistisch und deterministisch orientierten Weltverbesserern vorfand. Dies war der Stand noch bis vor einigen Jahren.
In der Zwischenzeit konnte ich einer Schwemme von Literatur nicht mehr ausweichen, welche sich in diesem Zusammenhang ausdrücken läßt in dem Satz: „Wir sind was wir denken.“ – das ist in der Geistesgeschichte des Menschen keine neue Erkenntnis (spätestens seit der Massenveröffentlichung von ‘The Secret‘). Daß das Denken aber ein Sprechen des Geistes in der Seele ist, oder wie es die Neuroprogrammierer ausdrücken würden, daß das Denken ein inneres Selbstgespräch ist, diese Einsicht führt zusammen mit der Einsicht, daß wir neue Sprachen lernen und sogar selbst bis dato nicht existierende aber nützliche Sprachen erfinden können (Programmiersprachen) zu dem Schluß, daß es möglich sein muß, entweder die Sprache des Geistes selbst zu sprechen, oder neurolinguistisch formuliert, das Selbstgespräch so umzuprogrammieren, daß diese innere Kommunikation die Ergebnisse erzielt, die wir uns wünschen. Wenn ich auf diese Art schreibe (spreche), wird klar, daß ich einen kreativen Akt leiste oder anders ausgdrückt: meine sprachliche Konditionierung so umarbeite, daß der Konflikt, der sich in meiner inneren Kommunkation nach außen tatsächlich als Lebenskonflikt zeigt(e), sich auflösen kann. Denn tatsächlich geht es im Neurolinguistischen Programmieren ja darum, Konflikte und Herausforderungen dadurch zu lösen, daß wir uns verändern und dadurch Kräfte freisetzen, die uns helfen, die Welt zu verändern. Nicht anderes verfolgt ein Philosoph wie Heidegger, wenn er über die Sprache an den Punkt zu kommen sucht, wo er im Reich des Bewußtseins Wissenschaftler und Freier seines Selbst ist, was nichts anderes bedeutet als sich und andere in die Kraft versetzen zu können weise, potent und glücklich zu sein.
Der Mensch ist ein sprechendes Wesen. Er gehört zur Welt und spricht aus seiner Seele. Das Programm ist der systematische Ablauf von Funktionen und Methoden, die Informationen (Abbilder) des Wesentlichen so behandeln, dass uns diese nützen statt zu schaden und erfreuen statt zu belasten.
Die Erforschung der Systematik von Kommunkation (innerliche und äußerliche) und ihre Anwendung kann nur dann hilfreich sein, wenn sie einlöst, was sie verspricht, nämlich die Welt und uns darin zu gesünderen, glücklicheren und produktiveren Menschen zu machen. Wenn NLP, welche ja ‘nur’ eine Sammlung erfolgreicher Strategien und Modelle zusammenfasst, die teilweise schon Jahrtausende in aller Welt praktiziert wurden, das leisten kann und dabei den Menschen und die Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellt, dann kann ich sie (diese Disziplin) heute bejahen und anwenden, denn dann hat NLP wie auch die Philosophie kein anderes Ziel als sich selbst am Ende überflüssig zu machen.
David Lepold, 17. April 2010, Buenos Aires
(*um es vorwegzunehmen: dieser Satz ist so gemeint, wie er geschrieben ist)







